„Unboxing Socks“, oder: Wie Kleidung auch produziert werden kann.

Neulich war es soweit, dass mein Bestand an Socken soweit abgenommen hatte, dass ich mich nach neuen umschauen musste. Nun schaffe ich mir neue Kleidung seit einiger Zeit nicht mehr einfach nur an, indem ich in den nächstbesten Laden gehe. Ich informiere mich genau über die Marke, die Herkunft und Produktion der Ausgangsprodukte, die Verarbeitung zum fertigen Produkt und darüber, wie die Menschen dahinter behandelt werden. Bei Kleidung sieht das ungefähr so aus:

  • Ich kaufe Kleidung hauptsächlich aus Bio-Baumwolle oder anderen Bio-Fasern, wie z. B. Hanf oder Leinen, auf jeden Fall aber ohne den Einsatz von Pestiziden im Anbau.
  • Am besten ist die Kleidung GOTS zertifiziert (Global Organic Textile Standard).
  • Wenn möglich sollen keine Kunstfasern wie Polyester, Elastan, o. ä. verarbeitet worden sein, da diese beim Waschen als Mikroplastik in den Wasserkreislauf gelangen können.
  • Es soll so wenig wie möglich Chemie in der Produktion eingesetzt worden sein, um die Gesundheit der Produzenten nicht zu gefährden.
  • Eine gerechte Entlohnung aller an der Herstellung Beteiligten wurde geprüft und wird durch die Siegel „Fair Trade“ oder „Fair Wear Foundation“ bestätigt.
  • Am besten ich bekomme die Kleidung lokal im Ladengeschäft (z. B. Weltladen oder LiebeVoll), oder wenn ich online bestelle, dann bei Firmen, die sich über Verpackung und Versand Gedanken machen.

Wie nachhaltig ist meine Lieblingsmarke?

Bei konventionell produzierter Kleidung der meisten großen Labels ist es oft schwierig, die komplette Produktions- und Lieferkette nachzuvollziehen. Die Webseite rankabrand.de hilft etwas dabei, die Nachhaltigkeit der gelisteten Marken einzuschätzen. Leider sind die meisten Labels nicht auskunftsfreudig und erhalten von rankabrand eine eher schlechte Bewertung und werden nicht empfohlen. Alternative oder nachhaltige Marken schneiden meist besser ab, da sie sich die Transparenz auf die Fahne geschrieben haben. Der Kunde soll zum Beispiel wissen:

  • Wo die Wolle her kommt.
  • Wer die Wolle gefärbt hat.
  • Wieviel Chemie dafür eingesetzt wurde.
  • Wer die Ware produziert hat.
  • Wo die Ware produziert wurde.

Ein extrem gutes Beispiel liefert sockupyourlife.de. Auch wenn die Marke nicht bei rankabrand gelistet ist, bin ich über das Internet bei der Suche nach „Fair Trade Socken“ bzw. über utopia.de auf sie aufmerksam geworden.

Bereits auf deren Shop-Seite erfährt man die wichtigsten Fakten: „fair! Vom Anbau der Wolle bis zur fertigen Socke“. Man kann lesen wo und wie produziert wird und welche Chemikalien benutzt werden. Außerdem wird beim Bestellprozess bereits erwähnt, dass die Lieferung plastikfrei erfolgt. Zusätzlich kann man bei sockupyourlife auch Einzelsocken bestellen, was ich sehr ressourcenschonend finde.

Mangels Alternative in regionalen Geschäften, aber auch weil ich die Qualität ausprobieren wollte, habe ich mir zwei Paar Socken online bestellt. Wenn ich schon online bestellt habe, dann wusste ich wenigstens vorher, dass die Verpackung kein Plastik enthalten würde.

Nach kurzer Vorfreude dank prompter Lieferung hat mich das Auspacken derart begeistert, dass ich es gerne teilen möchte. Ein Klick auf eines der Bilder startet die Galerie.

Durch dieses Beispiel möchte ich zeigen, dass es durchaus Alternativen zum schnellen, oft unüberlegten Einkauf von Kleidung gibt. Bei T-Shirts, die 2,99 € kosten, oder Socken für 9,99 € im 10er-Pack kann nicht jeder an der Produktion Beteiligte gerecht behandelt worden sein.

„Slow fashion“ statt „Shopping als Hobby“

Durch den Einkauf bei sockupyourlife habe ich z. B. dafür gesorgt, dass kein Mensch bei der Herstellung ausgebeutet wurde, die Gesundheit der Baumwollproduzenten nicht durch Pestizide gefährdet wurde, kein Grundwasser zur Bewässerung eingesetzt wurde, keine langen Transportwege notwendig waren (von Griechenland über Österreich nach Deutschland), plastikfrei verschickt wurde, usw.

Es ist leider oft nicht möglich, alle Kriterien so gut zu erfüllen wie das in diesem Beispiel der Fall ist. Wenn aber nur jeder ein bisschen darauf achtet und den nächsten Einkauf nach einem Teil der Kriterien gestaltet, ist schon viel erreicht. Müssten wir selbst Teil der Produktion- und Lieferkette sein und hätten wir nicht das Glück gehabt, der Konsument zu sein, wären wir über eine gerechte Behandlung unserer selbst sicherlich auch dankbar.

In diesem Sinne: Bitte achtet ein bisschen mehr darauf, was und bei wem ihr zukünftig Klamotten einkauft. Ein bisschen mehr „Slow fashion“ statt „Shopping als Hobby“.