Kommentar: Bio oder nicht Bio?

Man muss sich so einiges anhören, wenn man sich entschieden hat, nicht mehr alles konform der Masse mitzumachen, sondern Verhalten hinterfragt und Entscheidungen trifft, die in kleinen Schritten die Welt verändern sollen. Ist man beispielsweise nicht mehr damit einverstanden, sich von industriell hergestellten Lebensmitteln und konventionellem Obst und Gemüse zu ernähren, sondern greift verstärkt oder ausschließlich zu Bio-Produkten, kommt ziemlich schnell jemand ums Eck und versucht einem, die Bio-Produkte madig zu machen.

Es stehen dann Argumente im Raum, dass man ja nie wisse, ob überall Bio drin ist wo Bio drauf stehe, dass die Bio-Produkte im Supermarkt in Folie verpackt wären und konventionelle Ware nicht, oder dass Bio ja eh viel zu teuer wäre und sich das eh keiner leisten könne. Im Internet steht: „Wer etwas will findet Wege. Wer etwas nicht will findet Gründe.“ Genau darum geht es auch im Fall Bio oder nicht.

Nicht nachzudenken ist bequemer als mit schlechtem Gewissen zu handeln

Es scheint aber auch schwierig zu sein, gewohntes zu verändern und einfach mal auf dem Markt oder im Hofladen Gemüse und Obst zu kaufen, denn dort bekommt man beides ohne Verpackung. Das Argument, dass man im Supermarkt ja alles auf einmal bekomme, und man zum Markt oder Hofladen ja extra hinfahren müsse, zählt für mich nicht. Schließlich fährt man auch zum Klamotten kaufen in die nächste Stadt oder ins Outlet, obwohl es auch in der Nähe Kleiderläden gibt. Oder man holt sich das neueste Smartphone direkt im „Store“ in der Großstadt ab. Da ist es aber offensichtlich kein Problem, Wege in Kauf zu nehmen.

Dass es auch bei den Bio-Siegeln Abstufungen gibt, dass man für gute Ware faire Preise zahlen muss, dass in Massen produzierte Lebensmittel nicht ohne Hilfsmittel wie Dünger oder Spritzmittel auskommen, dass gezahlte Subventionen den wahren Preis der Produkte verschleiern, damit will sich wohl nicht jeder beschäftigen. Man müsste ja was am Verhalten verändern, obwohl man sich eigentlich schon verändert hat. Generell glaube ich, dass wir viele Dinge verlernt haben und uns vieles von der Lebensmittelindustrie aufschwatzen lassen.

Jeder hat seine Interessen, manche wollen einfach nur mehr Gewinn

Bei manchen Produkten frage ich mich, was außer der reinen Gewinnmaximierung dahinter steckt. Käsewürfel zum Beispiel. Haben die irgendeinen Vorteil gegenüber einem Käse am Stück? Können wir jetzt nicht mal mehr unseren Käse in Würfel schneiden? Brauchen wir die Plastikfolie drum herum und die Schutzatmosphäre in der Verpackung? Man muss viele Dinge nicht neu machen, sondern muss sich nur öfter überlegen wie es unsere Großeltern gemacht haben. Zum Beispiel selber kochen.

Denn spätestens wenn man selber kocht gilt das Argument nicht mehr, dass Bio per se zu teuer ist und es sich nicht jeder leisten kann. Es kommt darauf an, was genau man betrachtet. Je weiter ein Lebensmittel verarbeitet ist, desto teurer ist es und desto mehr besteht die Gefahr, dass Inhaltstoffe drin sind, die man sonst nicht im Küchenregal stehen hat. Aus Gemüse in Bio- Qualität, Gewürzen, Hülsenfrüchten, Nudeln lassen sich tolle, schnelle Gerichte zaubern, die auf die Einzelportion gerechnet viel günstiger sind als beispielsweise eine Bio-Fertigpizza, oder Bio-Maultaschen.

Ohne Fleisch und Wurst kann man auch leben und satt werden

Hinzu kommt die nach wie vor bei vielen Menschen verbreitete Meinung, dass Fleisch und Wurst einfach dazugehören und zwar täglich. Nein, tut es nicht und wenn man reduziert und beispielsweise nur einmal pro Woche Fleisch ist, kann man sich auch Bio-Fleisch leisten, was zumindest dafür sorgt, dass die Tiere vermutlich ein einigermaßen artgerechtes Leben hatten und ohne Genfutter und massenhaften Einsatz von Antibiotika gelebt haben.

Raus aus der Komfortzone!

Ist einem das egal, kann man so weitermachen wie bisher. Mag man aber etwas an den Zuständen ändern, muss man bei sich selbst beginnen, die Wege finden und sich nicht in der Komfortzone hinter den Gründen gegen eine Veränderung verstecken.