Etwas tun gegen aussterbende Innenstädte: Buy local – Kauf vor Ort

Das Institut für Handelsforschung IFH hat 2015 in der Studie „Stadt, Land, Handel 2020“ vorausgesagt, dass der stationäre Handel bis 2020 um ca. 11,5 Prozent zurückgehen werde. Mehr als jedem zehnten Ladengeschäft droht also innerhalb von 5 Jahren die Schließung. Das zeigt sich auch in unserer Kreisstadt Aalen. Dort schließen jetzt kurz hintereinander vier Geschäfte in der Innenstadt – Geschäfte mit teilweise jahrzehntelanger Tradition. Das hat laut Studie mehrere Ursachen. Eine davon ist der steigende Online-Handel.

Laut IFH-Studie sollte im gleichen Zeitraum der Online-Umsatzanteil am Einzelhandel auf 25 Prozent ansteigen – ein Anstieg um mehr als 10 Prozent. Wenn immer mehr Waren online bestellt werden, macht das den lokalen Geschäften den Garaus. In der Summe wird es bis 2020 voraussichtlich insgesamt 45.000 lokale Geschäfte weniger geben, sagt das IFH voraus. Somit sind auch unsere Innenstädte in der Umgebung betroffen. Leerstand, weniger Gastronomie und Häufung von gleichen Geschäften, wie z. B. gleich mehrere Geschäfte für Brillen oder Handys, sind die Folge. Das geht bis dahin, dass man bestimmte Produkte in manchen Städten nicht mal mehr vor Ort kaufen kann.

Online-Händler in der Kritik

Doch was ist schlecht am Online-Handel? Neben der vielen Verpackung, die Bestellungen mit sich bringen, müssen die Waren auch irgendwie transportiert werden. Wer also alles online kauft, sollte sich zum Beispiel über LKW-Staus nicht mehr beschweren. Und dass die Arbeitsbedingungen bei dem ein oder anderen großen Online-Händler in der Kritik stehen, sollte sich auch schon herumgesprochen haben. Außerdem ist der Anteil an den eingenommenen Steuern dieser Shops auch eher gering, wenn diese überhaupt Steuern bezahlen.

Buy Local – für lebendige Innenstädte

Der stationäre Händler hat es hier schwerer und sollte deshalb unterstützt werden. Wir versuchen Dinge, die wir lokal kaufen können, auch vor Ort zu kaufen, wie zum Beispiel Spielsachen. Wir recherchieren im Internet nach dem was wir benötigen und klären dann telefonisch, ob es der Händler vor Ort besorgen kann. Anschließend holen wir es im Laden ab – meistens in Verbindung mit anderen Besorgungen, die sowieso erledigt werden müssen. Bei Büchern machen wir das genauso. Diese bestellen wir auf der Shop-Seite des stationären Buchladens, lassen dann aber in den Laden liefern. Ein Buch ist in der Regel ebenfalls nach einem Tag im Laden bereit zur Abholung.

Fair Trade Kleidung vor Ort kaufen ist schwieriger

Nicht ganz so einfach verhält es sich bei Kleidung. In der Regel gibt es Fair Trade Kleidung nur selten in großer Auswahl in den Innenstädten der Umgebung. Je kleiner die Stadt, desto rarer ist das Angebot. Ausnahmen sind hier Weltläden oder wenn man Glück hat gibt es in der eigenen Stadt einen Laden mit Fairer Kleidung. Wenn eine Anschaffung also hinausgezögert werden kann, versuchen wir das dann zu bündeln und mit einem Besuch in einer größeren Stadt zu verbinden. Ist eine Anschaffung notwendiger und keine Ersatz zu beschaffen, schauen wir wenigstens auf eine faire Liefer- und Transportkette. Online-Branchenriesen, die auch noch schlecht mit ihren Mitarbeitern umgehen, kommen für uns nicht infrage.

Die Kundentoilette im Online-Shop

Jeder kann mit seinem Einkauf Gutes tun, oder verantwortlich sein für weniger Gutes. Sich dessen bewusst werden ist ein erster Schritt, um für mehr fairen Konsum zu sorgen und dafür, dass es sich auch in fünf Jahren noch lohnt, Innenstädte wegen ihrer Einkaufsmöglichkeiten und Begegnungen zu besuchen. Online-Shops können die Kontakte mit den Menschen nicht ersetzen. Doch diese bereichern uns Menschen als soziale Wesen. Ein schönes Beispiel, das uns zu denken geben sollte, kommt von Hagen Rether dem „großen Mahner“. Dieser erwähnt in seinem Kabarett-Programm ein Schild, das in der Toilette der Buchhandlung seines Vertrauens hängt. Darauf steht:

„Das ist die Toilette für unsere Kunden. Kunden von Amazon gehen bitte bei Amazon auf die Toilette.“